Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Sonntag, 14. Januar 2018

Im Atelier

Einblick in Kapitel VI »Nachtschicht« aus der Serie »Nachrichten aus dem Paradies«
Seit 2015 entsteht meine groß angelegte Serie »Nachrichten aus dem Paradies«, mittlerweile gibt es fünf Kapitel, die im ständigen Werden sind. Nun noch ein sechstes Kapitel, vor ein paar Tagen mit der technischen Umsetzung begonnen. »Nachtschicht« heißt es und beim automatischen Zeichnen entwickeln sich Texte, die ebenfalls zu diesem Kapitel gehören.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Nicht nur in eigener Sache


»Dat fängt in Kopp an« aufgeschlagen.

»Dat fängt in Kopp an«
Plattdeutsche Geschichten von Ingrid Wrede
mit 23 Zeichnungen von Barbara Wrede
290 Seiten, Omnino Verlag, Berlin
ISBN (Buch) 9783958 949710, Euro 16.99€
ISBN (eBook) 9783958940727, Euro 14,99€
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Plattdüütsch:
Woarum is in Davos nix los und bie Opa noch vääl Platz? Wat ät Flexitarier, und wann ward de Radetzkymarsch von Johann Strauß spält? Wer tritt de Amtsnoafolge an, und wie ward Striet schlicht? Gaue Affsichten, Kerkgang und Beerdigung, Gerichtsverhandlungen, Oldenburger Südfrüchte, eine Kauh, de geern ein Reh weier, und ein Hund, de tellen kann – doarum und um noch vääl mehr gaht dat in de mit fienen Humor und upp plattdüütsch vertellten Geschichten von Ingrid Wrede, von de öwer 100 hier tauhoopfoat sünd. Schön moakt sünd de Geschichten mit Teiknungen von mick (bin öhre Dochter).

Ingrid Wrede, born 1942 in Emmen/Neddersassen, schriwt seit Joahrtahnten plattdüütsche Geschichten. Ehrenamtlich bringt sei sick seit öwer 30 Joahr in sozialen, kulturellen und in kommunalpolitischen Beriek in 2015 hat sei dat Bundesverdeinstkrüüz krägen.
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Hochdeutsch:
Warum ist in Davos nichts los und bei Opa noch viel Platz? Was essen Flexitarier, und wann wird der Radetzkymarsch von Johann Strauß gespielt? Wer tritt die Amtsnachfolge an, und wie wird ein Streit geschlichtet? Gute Absichten, Kirchgang und Beerdigung, Gerichtsverhandlungen, Oldenburger Südfrüchte, eine Kuh, die gerne ein Reh wäre, und ein Hund, der zählen kann – darum und um noch viel mehr geht es in den mit feinem Humor und auf Plattdeutsch erzählten Geschichten von Ingrid Wrede, von denen hier im Band über 100 zusammengefasst sind. Geschmückt sind die Geschichten mit Zeichnungen von mir (bin ihre Tochter).

Ingrid Wrede, geboren 1942 in Emmen/Niedersachsen, schreibt seit Jahrzehnten plattdeutsche Geschichten. Ehrenamtlich engagiert sie sich seit über 30 Jahren im sozialen, kulturellen und kommunalpolitischen Bereich. 2015 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Samstag, 23. Dezember 2017

Der Mann vom Reh, ein Wackelzahn und die Afrikafrage




Einer der Kurse, die ich als Dozentin für Jugend im Museum leite und in dem es um die Stadt aus Holz geht, ist für Kinder ab fünf.
Im vergangenen Kurs eröffnete ich so manch eine Stunde mit der Frage, wie der Mann vom Reh bzw. der Ricke heißt.
Die Antwort wußte nur H. und weil er nicht wie die anderen »Hirsch« oder »Kikeriki« rief, bat er mich, meine Frage jeweils zu Kursbeginn so oft zu wiederholen, bis alle die richtige Antwort wussten. Das dauerte etwas.

N., die mittlerweile in der 1. Klasse ist, hat seit über einem Monat einen Wackelzahn, der Erwachsenenzahn darunter ist schon zu sehen, der Kinderzahn steht ab wie ein Horn und lugt unter der Oberlippe hervor.
Dein Zahn ist ja immer noch nicht raus, begrüße ich sie deshalb zum wiederholten Mal.
»Immer wenn ich meine Mutter küsse, dann steche ich sie.«



Später steht N. an der Werkbank H. gegenüber und fragt ihn: »Warst Du eigentlich schon einmal in Afrika?«
H. schüttelt seinen Kopf.
»Dann müsstest Du ja eigentlich meinen Opa kennen, der war auch noch nie in Afrika.«

Samstag, 28. Oktober 2017

Kassel in der Kiste

Meine Fadenbilder entstehen seit 2001 auf handgewebtem Leinen, das ich von meiner Großmutter erbte. Das war zu Studienzeiten, und ich malte noch – mit sehr pastosem Farbauftrag, der keinen Untergrund mehr ahnen ließ. Nichts würde von der Struktur des handgearbeiteten Leinens mehr zu sehen sein, würde ich darauf malen. Das wollte ich nicht.
Erst viele Jahre und nach unzähligen Versuchen, die Arbeit meiner Großmutter und meiner Tante und die Struktur des Leinens sichtbar zu lassen, kam ich auf die Lösung, wie ich das Material benutzen konnte. Die Fadenbilder vereinen unsere Arbeit zu einer generationsübergreifenden Symbiose. Sie entstehen ohne Vorzeichnung und direkt auf dem Leinen. Der Einsatz des Fadens ist entschieden, linear und pur wie der Stoff, der als Träger dient. Die Arbeiten gehören zu verschiedenen, groß angelegten Serien.
aus den Serien »Alltägliche Missgeschicke« und »Verhandlung«, jeweils Baumwolle auf handgewebtem Leinen





Am 23.11.2017 um 18 Uhr wird die Ausstellung «Narrative Positionen # II« im Südflügel des Kulturbahnhofs Kassel eröffnet. Dort werden einige Fadenbilder von mir zu sehen sein.
Momentan lagern sie noch, zum Abholen für die Spedition bereit, in einer Kiste im Atelier. Darin sind Werke aus den Serien »Paarbildungsstrategien«, »Alltägliche Missgeschicke« und »Verhandlung«.



»Narrative Positionen # II«
Mit Arbeiten von Ines Christine Geißer, Kirsten Carina Geißer,
Carmen José, Bernhard Skopnik, Reinhold Weber, Daniela Witzel und mir.

Kulturbahnhof Kassel, Südflügel
Ausstellung bis 17.12. 2017.
Öffnungszeit täglich von 14 bis 18 Uhr.
Eintritt frei.





Samstag, 30. September 2017

Geballte Ladung: Ausblick und Rückblick

Nach den Herbstferien, ab 8.11.2017, gibt es unter meiner Leitung und in Zusammenarbeit mit Jugend im Museum eine offene Künstlerwerkstatt für Kinder von 6-10 Jahren im Atelier der Kommunalen Galerie Charlottenburg-Wilmersdorf.
Thema: Wie arbeiten eigentlich KünstlerInnen?
Inspiration dazu liefern u.a. die aktuellen Ausstellungen in der Kommunalen Galerie und die Werke in der umfangreichen, dort ansässigen Artothek. Der Kurs ist kostenlos, das Material auch, die Kinder können ohne Anmeldung in der Zeit zwischen 15-18h zum Zeichnen, Malen, Bauen, Collagieren ... vorbeikommen.

Ort: Komunale Galerie Charlottenburg-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin
U3/U7, Fehrbelliner Platz (und von da aus ca 100m den Hohenzollerndamm hoch.)
(Übrigens: Ab Anfang nächsten Jahres kann man sich dort in der Artothek auch »echte Wredes« ausleihen. Mehr dazu, wenn es soweit ist.)
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In der kommenden Woche beginnen meine Holzkurse für kleine (5-7Jahre) Kinder, Thema: Stadt und ältere Kinder (8-10 Jahre), Thema: meine Spielgefährten, die ich ebenfalls als Dozentin bei Jugend im Museum gebe.
Es gibt noch einige wenige Plätze in der JIM-Werkstatt Hufelandstraße.
Museumsbezug ist dieses Mal das Märkische Museum.
Stadt aus Holz


Meine Spielgefährten






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Ab dem 28.10.17 findet ebenfalls in der Werkstatt Hufelandstraße und unter meiner Leitung ein Kompaktkurs
(3 x 4 Stunden, samstags) für Kinder von 7-11 Jahre statt.
Thema: Gehörnte Wesen aus Holz.
Es sind noch Plätze frei. Museumsbezug: Stierbrunnen am Arnswalder Platz.
Bitte für alle diese Kurse beachten: Anmeldung nur über JIM.

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Bereits vor meiner Studienzeit in Kassel habe ich begonnen, kulturelle Bildung zu vermitteln.
Seit einigen Jahren bin ich jetzt Dozentin bei Jugend im Museum und wie in jedem Jahr fanden in den Sommerferien Kompaktkurse für Kinder statt.
Im Innenhof vom Märkischen Museum stand das Mittelalter auf dem Programm.
Wappenbau und Spaziergang zur Klosterruine
Wilde Wesen im Garten des Museums Europäischer Kulturen




















Im Garten des Museums Europäischer Kulturen wurden »Wilde Wesen« geschaffen, Inspiration dazu lieferte auch der wunderbare, gewebte Teppich der Anna Bump.
Als handwerklichen Schwerpunkt hatte ich die Papierfalterei ausgesucht, die mit einer Faltung des heiligen Geistes über Unterhosen und Wasserbomben zu besteigbaren Booten, Riesenfröschen, modularem Origami, Schlangen, Pinguinen und Ganzverkleidungen führte.

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»Das Bild vom Ich« in der Poelchau-Sportschule



Im workshop »das Bild vom Ich«, zu dem ich als Künstlerin von der Poelchau Sportschule eingeladen war,  drehte sich alles um das Selbstporträt, das Schüler der 9. Jahrgangsstufe auf großem Format anfertigten und anschließend während des Schulfestes präsentierten.

Freitag, 25. August 2017

Nachrichten aus dem Paradies, Kapitel IV

Kapitel IV: »Was vom Tage übrig blieb«, je 76 x 56 cm, Tusche auf Büttenpapier, 2017
»Nachrichten aus dem Paradies« ist der Titel meiner großangelegten Serie, die bislang vier Kapitel mit unterschiedlichen Thematiken umfasst.
2011 begann ich mit dieser Serie, seit 2017 entsteht das vierte Kapitel »Was vom Tage übrig blieb«.
»Was nützt die Liebe in Gedanken«, »Unglaubliche Reisen«, »Eh Du erwacht« sind die Titel der bisherigen drei Kapitel, die jeweils aus ca 100 Blatt in Formaten bis 200 x 280 cm bestehen.
Die Serie ist noch nicht abgeschlossen.

Freitag, 28. Juli 2017

Kalter Kaffee

Mann mit Tasse im Kaffeegarten, rauchte, zwei Frauen mit Kännchen, redeten. Sonst keiner. Leichter Nieselregen. Ich bestellte Eiskaffee und Leitungswasser, sah durch die Personaltür im UG des Gebäudes, dass der Kellner mein Getränk zubereitete. Ob er am Löffel leckte? Oder die Sprühsahne, die er nun auf den Kaffee spritzte, vom Verschluss abschlabberte, während er in einer Nische rechts herumfuhrwerkte? Jetzt sah ich seinen Arm und wie er einen langstieligen Löffel in das Glas steckte. Heute morgen war es furchtbar schwül gewesen. Der Mann neben mir fing an zu fluchen, weil es stärker zu nieseln begann, nahm seine Tasse und stellte sich in einen der Türeingänge neben der Küchennische. Die beiden Frauen fragten einen jungen Kellner, ob er den Sonnenschirm öffnen könne. Seine Antwort vernieselte; der Schirm blieb zu.
Der erste Kellner brachte meinen Eiskaffee, sogar das Leitungswasser hatte er dabei. Doch nicht auf Krawall gebürstet. Es regnete. Ob er mir den Sonnenschirm aufspannen könne, oder ob ich das tun kann?
Wenn ich das mache, dann kommen fünf so wie Du, und ich werde krank.
Was macht das?
Dreiachtzig.

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntag, 28. Mai 2017

Im Atelier

»meeting Anubis« aus der Serie: Moritat vom Schweben, Bleistift auf Papier (ohne Wischen), je 42 x 30 cm, variable Reihung (nicht abgeschlossen)

Montag, 22. Mai 2017

intre: Text

Nach der Bild-Text-Produktion von Intre:Text wurde das gesamte Material an Texten und Bildern für die Musikerin Sabine Worthmann und den Videokünstler Nils Linscheidt freigegeben. Parallel und unabhängig voneinander erarbeiteten die beiden eine musikalische Komposition und eine Hypertextinstallation, die am vergangenen Samstag, 20.5.17, live in der lettrétage zu erleben war.


Sabine Worthmann, Musikerin, vor Videoinstallation von Nils Linscheidt am 20.5.17 in der lettrétage

intre:Text, Faltplakate


Texte und Zeichnungen sind als »Faltplakate« gedruckt und in der lettrétage erhältlich.
Texte von Maren Kames, Christian Vater, T.G. Vömel und Charlotte Warsen, Zeichnungen von Falk Nordmann und mir.
Eingeladen zu dieser künstlerisch-interdisziplinären Unternehmung hatte der vau-vau Verlag und die lettrétage.


Donnerstag, 23. März 2017

intre: Text – Wort_Bild_Klang

intretext – Zeichnungen

Seit einigen Tagen ist das blog von »intretext« online.
»intretext« ist eine künstlerisch-interdisziplinäre Unternehmung in Text und Bild, multimedial und mit Klang, deren Entstehung dem Grundprinzip der japanischen Kettendichtung folgt.
Zur Teilnahme eingeladen hat der vauvau Verlag und die Lettrétage, Berlin. 

Texte von Maren Kames, Charlotte Warsen, Christian Vater und T.G. Vömel, bildnerische Werke von Falk Nordmann und mir, Nils Linscheidt entwickelt anschließend eine Videoinstallation zu den Beiträgen und Sabine Worthmann fügt Klang dazu.
Zum Vormerken: intretext – live  in der lettrétage am 20.5.2017.

Freitag, 10. Februar 2017

Neue Runde






Kurz bevor meine neuen Kurse bei Jugend im Museum starten, gibt es hier wieder einen kleinen Blick auf die Objekte, die in den letzten Kursen von den jungen Teilnehmern gefertigt wurden: Marionetten, Eulen und Fledermäuse, Stadtansichten u.a. – alles aus Holz.







Mit Drittklässern einer Holz-AG enstand dabei u.a. auch eine Säge-Pizza, die nach Bedarf und Geschmack belegt wurde. Erstaunlich, wie pur das Ergebnis daher kam, manch eine Pizza wurde nur mit Tomatenmark und Parmesan bestückt. Kippenberger hat ja auch einmal eine Pizza gebaut und an die Wand genagelt, erzählte ich den Kindern. »Pizza gepollockt« heißt das Stück. Was gepollockt ist, musste ich erklären.
Der neun Jahre alte B. zog blitzschnelle von meiner Erklärung einen Bogen zum Film »Beste Freunde« hin: »Da sagt doch auch einer, das sieht aus, als hätte jemand sein Nasenbluten auf die Leinwand tropfen lassen«.
Genau! B. hat dann aber seine Pizza nicht gepollockt, sondern mit Salami belegt, deren Aussehen täuschend echt ist: die Farbe hat er mit zwei Buntstiften gemischt.

Neben Holzkursen biete ich workshops in der Hegenbarth Sammlung, Berlin, an.
Hier wird gezeichnet, gemalt, geschnitten, gebaut, die Pop-up-Technik kommt zum Einsatz. Und noch viel mehr. Start ist am 4.3.17 mit Hals über Kopf. Dann kommen Gesichter der Großstadt (ab 25.3.17), Ein fantastischer Platz (ab 6.5.17) und Geheime Räume der KünstlerInnen (ab 10.6.17).
Die Anmeldung erfolgt über Jugend im Museum.



Dienstag, 24. Januar 2017

Im Untergrund

Freier Platz am Wagenende in Fahrtrichtung. Ein Mädchen vor mir ist schneller, ich bleibe an der Tür. Warum setzt die sich jetzt nicht hin? Da sitzt doch keiner. Ich bleibe trotzdem an der Tür stehen, keine Lust, mich durchzuquetschen. Die blonde Frau, die neben dem leeren Platz sitzt, hat Zettel in der Hand und verschiebt den oberen nach unten und so weiter. Ein Mann mit Rucksack und Gardinenstange steigt ein, geht zielstrebig auf den freien Platz zu, löst dabei schon einmal einen Rucksackriemen von der Schulter. Die Blonde hebt ihren Kopf nicht, dreht aber geziert ihre Handflächen nach außen und macht eine abweisende Bewegung. Der mit dem Rucksack bleibt stehen und lehnt sich an die Tür zum nächsten Wagen. Ein weiterer Typ guckt auf den Sitz und stellt sich neben den Rucksack-Mann. Wieso setzt sich keiner? Warum meckert keiner? Was ist los? Hat die Blonde da ihre Tasche geparkt, eine Katze oder einen Hund?
Wegen so einem Gedöns darf da keiner sitzen? Das lassen die sich gefallen?
Station Mehringplatz. Ich tue mal so, als ob ich prophylaktisch die Tür frei mache und wechsele die Seiten. Kann immer noch nicht sehen, warum die keinen neben sich sitzen lässt, mittlerweile wollten schon acht Leute das tuen, alle hat sie davon abgehalten.
Sie steht auf. Etwas klapprig auf den Beinen. Müde sieht sie aus und schlecht gelaunt. Sie steckt die Zettel in ihre Manteltasche. Wieso brauchte die Platz für zwei? Ich gucke sie böse an. Sie geht zur Tür, nur kurz streift mich ihr Blick, den ich nicht deuten kann, dann steigt sie aus.
Der Typ mit dem Rucksack glotzt mich an und grinst. Was grinst der denn so blöde?
Ich verziehe keine Miene. Er macht keine Anstalten, sich zu setzen. Also setze ich mich auf den Platz der Blonden. Neben mir in der Kuhle des Hartschalensitzes schwimmt ein Tempo in einer gelblichen Pfütze. Ein Typ, der gerade eingestiegen ist, will sich hinsetzen, ich mache eine abwehrende Handbewegung.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Im Atelier






»Unglaubliche Reisen« heißt das zweite Kapitel meiner groß angelegten Serie »Nachrichten aus dem Paradies« (Serie seit 2011) und umfasst neben Kugelschreiberzeichnungen auch Collagen.

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