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Sonntag, 10. März 2013

Weißes Rauschen

An diesem Tag hatten wir vor zuviel Weiß Furcht, wurde doch schon am Freitag Schnee angekündigt, mit zwei Tagen Verspätung ist er nun da.

Später wären wir mit mehr Weiß am Abend sehr zufrieden gewesen.

Wir trafen uns in der Berlinischen Galerie. Während meine Begleitung seine Sachen für den Rundgang ordnete, holte ein spanisches Paar Jacken ab. Entschuldigung, its fallen me under, sagte eine Dame zu dem Paar und zeigte auf die Tasche, die sie auf die Theke gehoben hatte. Das Paar guckte verständnislos, die Dame wiederholte den Satz und das Paar zuckte mit den Schultern. I speak english with you, erklärte sie, das Paar nickte, nahm die Tasche und wir begannen unseren Gang durch die von Karl-Horst Hödicke zur Schau gestellten Werke. Zu Studienzeiten beeindruckten mich ganz besonders seine Bilder von inneren Hinterhöfen mit Blick in den Himmel. So etwas hatte ich bis dahin nie gesehen, nicht im Dorf, aus dem ich komme und auch nicht in Kassel, dem Ort meiner Studienzeit. Berliner Ausblick eben.

Foto: MZS


Die Filme, die auf dem kleinen Bildschirm liefen, gefielen mir.

Meine Tasche ist zum Glück so bemessen, dass ich sie mit in Ausstellungen nehmen darf.





Die Filme, die im großen Saal gezeigt wurden, bereiteten uns auf die im weiteren Verlauf des Abends noch folgende Kunstöde vor (ganz blöde fand ich den Film mit einer auf dem Rücken liegenden Schildkröte, die krampfhaft versuchte, wieder auf ihre Beine zu kommen. Musik dazu war »Spiel mir das Lied vom Tod«, verachtenswert).

Für die Rubrik »Hände vor« bot sich auf unserer nachfolgenden Tour durch die Eröffnungen an der Lindenstraße rein gar nichts an, ach doch, vielleicht die güldene Arbeit, die wie ein Riesen- Kuhfladen an der Wand hing, allerdings traute ich mich nicht so richtig, dieses Werk in die Rubrik einzubeziehen, denn an sich schätze ich die Arbeiten der Künstlerin, die den Fladen schuf, sehr.
Uta, die wir zufällig unterwegs trafen, stichelte: »Ich wußte gar nicht, dass Du ein solcher Schisser bist, Barbara.«

Darauf fiel mir keine gute Antwort ein.

Trotzdem blieb ich bei der Entscheidung, Herrn Schröder vor weißer Wand zu fotografieren. Wie auf den Bildern zu sehen, ging er vor schierer Kunstverzweiflung gar in die Knie.
Zum Trost gab es dann noch ein Foto mit Arm.
Am letzten April-Wochenende ist großes Gallery-Weekend.
Dann bin ich übrigens schon in den neuen Schaffensraum gezogen. Hurra.

Donnerstag, 9. August 2012

Routenplaner – rund ums Sommerloch

Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung der Fotografin Diane Arbus im Gropius Bau in der  man abschließend einen chronologischen Einblick in die Tagebuchaufzeichnungen der Künstlerin erhält.
Die Berlinische Galerie präsentiert verschiedenes, mein Favorit wird in der Abteilung  manifesto collage gezeigt und ist eine Bildserie mit Knete über Haaren. Die Künstlerin Ellen Gallagher hat sie gefertigt.
Die klinische Megaästhetik des Alfredo Jaar wird an gleich drei Berliner Kunstorten (NGBK, Berlinische Galerie, Altes Museum) präsentiert. In der NGBK war ich noch angenehm überrascht –
alles so schön clean und übersichtlich hier. In der Berlinischen Galerie sah das für mich dann ganz anders aus. Die aufgedonnerten, aufgebauschten, ästhetischen Arbeiten sollen auf Mißstände poltischer und sozialer Art hinweisen und eben diese Ästhetisierung der Mißstände anprangern. Mir gefällt das nicht. Der Künstler ist sich selbst auf den Leim gegangen und suhlt sich in Materialschlachten. Thema verloren. Der Rest ist Schweigen.

Einer der schönsten Gärten Berlins liegt hinter dem Haus am Waldsee. Drei Jungen spielten dort Minigolf auf den Trümmerbahnen der Künstlerin Ina Weber, eine Dame probierte die Bänke aus, die der Künstler Jeppe Hein für die aktuelle Ausstellung Wie kommt das Neue in die Welt gefertigt hat.

Blick auf die Installationen von Berta Fischer und Alicia Kwade (rechts), Selbstfoto in Luca Trevisanis Videoinstallation in der sich alles um das Ei dreht (Mitte).
Jeweils zur vollen Stunde scheppern im Obergeschoss die Fensterläden (eine Installation von Michael Sailsdorfer) zur Hofeinfahrt drei Miunten lang. Ich hatte schon einiges über diese Installation gelesen und mir ein bisschen mehr Gruselei anstelle des Gleichklangs vorgestellt. Aber so ist das eben, Fantasie und Realität haben oft nichts miteinander zu tun, vor einigen Tagen behauptete Herr F., Sammler wredescher Kunst, sogar, Fantasie sei bloß eine Form von Demenz. Das fand ich gruselig.

Auf dem Weg zurück hatte ich dann vor dem Eingang des Zoos eine typische Berliner Begegnung. Rollerte mit dem Rad vorsichtig und langsam auf dem fast menschenleeren Bürgersteig ganz am Rand lang. Herr und Yorkshire-Terrier kamen mir entgegen. Dieser Platz war mit vier Metern breit genug für alle. Der Herr ließ die Schnappleine ausfahren und scheuchte den Hund zum Baum. Die Leine spannte sich vor meinem Vorderrad. Der Mann keifte, dies sei kein Radweg. Hatte er recht. Ich fuhr ja auch nicht. Die Sperre blieb. Ich wartete. Und wurde sauer. Normalerweise denke ich in solchen Situationen: dumme Nuss, sage weiter (meistens) nix, bloß ruhig bleiben und keine Energie verschwenden. Der Mann sagte etwas zu mir, ich verstands nicht richtig, war mir aber gewiss, dass es etwas unflätiges war. Du alter Nazi, gleich überfahre ich deine Dreckstöle, sagte ich und rollerte weiter. Abends erzählte ich A. und H. davon. A. meinte, meine Reaktion sei ein wenig übertrieben gewesen und H. nickte. Und ich bekam das, was ich lange vermisst hatte: einen Lachanfall. Herr und Hund sei Dank.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Sammeln

Seit drei Jahren gibt es die Kunsthalle Koidl in Charlottenburg. Bis zum Wochenende ist dort noch die Ausstellung Künstlersammler zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, die Mona Hatoum, Karin Sander und Arturo Herrera von Künstlerkollegen erworben oder mit Ihnen getauscht haben.
Nicht weiter erstaunlich ist es, dass die gesammelten Positionen stets etwas mit der eigenen zu tun haben. Am besten gefiel mir deshalb auch das, was Mona Hatoum von z. B. Sophie Calle (Grabsteinserienfotos: fat - mother) oder von Kutlug Ataman (der Lippenstiftkreis, der eigentlich doch keiner ist) oder Sigmar Polkes Arbeit (Nachstellungen von Palmen u. ä.), die sie mit Rene Block getauscht hat, zusammentrug. Wie in Mona Hatoums eigenen Arbeiten gehen auch in ihrer Kunstsammlung Inhalt und Form zusammen und: der Humor bleibt nicht auf der Strecke.
Karin Sander erstand zumeist konzeptuelle Arbeiten, Arturo Herreras Aspekt der Sammlung ist ein malerischer, sehr gut gefiel mir dabei die von Ed Ruscha gezeigte Arbeit zum Thema Western und Heimat. Die Idee zu dieser Ausstellung hatte Christine Nippe, Leiterin der Kunsthalle Koidl.

In der Berlinischen Galerie ist gerade Umbauzeit, weil die ständige Sammlung neu geordnet wird. Trotzdem hat sich Berlin auch hier gebased, wie in einer abgedunkelten Kammer mit diversen Phalli, geschaffen von Simon Fujiwara, zu sehen ist. Naja.
Ein Highlight fand ich hier heute trotzdem: Die Berlin Filme von Rainer Fetting aus den 80ziger Jahren. Großartig. Zeitgeschichte.


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