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Freitag, 16. September 2011

Routenplaner: Haus am Waldsee

William Engelen ist Künstler-Komponist. Das Haus am Waldsee hat ihm eine Einzelausstellung ausgerichtet (seine „erste“ in Berlin steht in der Pressemitteilung, das stimmt, glaube ich, nicht so ganz, denn 2008 sah ich bereits in der MK Galerie, die bis zu ihrem plötzlichen Tod am 6. Juni 2011 von den beiden niederländischen Galeristen Emmo Grofsmid und Karmin Kartowikromo geleitet wurde, Engelens großartige Arbeit „Verstreiken“ über den Alltag von Orchestermusikern). 
Jeden Raum des Hauses am Waldsee nutzt der Künstler für eine Arbeit, z.B für die Zimmerpflanze (n) „Jochen“, deren botanischer Name Monestra deliciosa ist, und der (denen) Engelen Zeichnungen und Töne, vertonte Zeichnungen, widmet.



Einen Ort zum Verweilen und Entspannen hat er im größten Ausstellungsraum eingerichtet, Töne aus Lautsprechern von außen, innen Bänke mit Schaumstoff belegt in Blickrichtung auf Monitore die Naturfilme mit Vögeln in Nestern zeigen.





In seiner Arbeit „Fräulein Grosch“ bittet William Engelen Menschen, ihre Erfahrungen mit dem ersten Klavierlehrer zu schildern. In diesem Raum sind die Wände mit verschiedenen Wohnungen in denen ein Klavier steht, tapeziert, in der Raummitte stehen Klavierhocker, um in die verschiedenen Geschichten der ersten Klavierstunde sitzend einzutauchen. 

In „Oh Freunde nicht diese Töne“, eine Aktion, die im Sommer in Bonn stattfand und von der Beethovenstiftung für Kunst und Kultur unterstützt wurde/wird, versucht Engelen Amseln per Handy, das mit digitalen Tönen Beethovens „Ode an die Freude“ klingelt, eben diese Ode beizubringen. Den handyton kann man sich herunterladen und auch woanders versuchen, Amseln Beethovens Neunte einzuverleiben (William Engelen – Music Box bis 6.11.2011).
 

Um das Haus am Waldsee herum befindet sich der Skulpturengarten des Hauses, dort z.B.  Ina Webers „Trümmerbahnen“, ein Minigolfplatz mit brüchigen Miniaturgebäuden, der bespielbar ist: Schläger gibt es an der Kasse. Seit Sommer diesen Jahres schwimmt „fish spa“ von Susanna Hertrich und Michiko Nitta, die „Berliner Wildes Leben“ inszenieren, im Waldsee (bis November 2011).  

Ina Weber: Trümmerbahn
S.Hertrich u. M. Nitta: Fish Spa
        
                                                                         




Das Haus am Waldsee liegt an der Argentinischen Allee in Zehlendorf. Ich war mit dem Rad dorthin unterwegs. In diesem gutbürgerlichen Bezirk wie auch im benachbarten Dahlem waren die oberen Laternenmasten ganzer Straßenzüge mit menschenverachtenden Wahlplakaten bestückt. Und unten fuhr ich und gruselte mich –  nicht nur vor dem Ausgang der Wahl am Sonntag.

Dienstag, 5. Juli 2011

ohne Titel

Tief bestürzt erfuhr ich erst heute, dass die beiden Galeristen Emmo Grofsmid und Karmin Kartowikromo von der MK Galerie am 6. Juni 2011 gestorben sind. Mein Beileid gilt den Angehörigen.

Sonntag, 1. Mai 2011

Sammlertage

...soso, in den letzten Tagen sollen mehr Kunstsammler als zum 1. Mai angereiste Krawallmacher in der Stadt gewesen sein, las ich gerade in einem seltsamen Artikel über das Gallery Weekend hier in Berlin. Von mir aus. Freitag Abend waren wir zu fünft, fingen erst spät und nach einem Besuch in einer Fastfoodkette mit dem Kunstgucken an. 



 

 
Wir begannen unsere Runde dort, wo Herr Schröder und ich Anfang Februar bei dem ersten Rundgang in diesem Jahr aufhörten.
 Und fotografierten uns in der Installation „Double Reduction III“ von Sinta Werner.







Etwas später knipste ich den Drucker in der Galerie Levy als eine Art Reminiszenz an dieses Bild, in dem der Drucker selbst zu Kunst wird. Wie in einem Warenhaus konnte man hier auch verschiedene Herrenoberteile mit Schlipsen erwerben.
 







Manch einer versuchte, sich dem Erdboden anzupassen.
In der Lindenstraße standen wir dann kurz nach 21h vor verschlossenen Türen.
 



Ein paar Stunden später wartete ich gestern mit meinem Rad vor dem ehemaligen Tagesspiegelgebäude in der Potsdamer Straße und rauchte. Adrenalinstoss. Man erkennt die beiden immer schon aus der Ferne. Wie oft ich sie schon gesehen habe? Keine Ahnung, das erste Mal sicher in Kassel zu Studienzeiten auf der Documenta. Hallo Facebookfreunde, rutschte es mir raus. Blut stieg in Kopf. Die beiden blieben stehen. Wer ich denn sei, wollte die kleinere wissen. Ich stammelte meinen Namen. Sie strahlte, nahm meine Hand, streichelte sie und sagte: Ach ja! Meine Hand wurde von ihr gestreichelt und ich dumme Nuss hatte nicht daran gedacht, zuvor meine gammeligen Fahrradhandschuhe abzustreifen – obwohl: der Gedanke war da, wie ein Blitz, aber in diesem kostbaren Moment der ersten Direktbegegnung bloß nicht umständlich sein, keine Zeit verlieren.
Meine Beine zitterten, meine Sprache versagte, Lähmung setzte ein, konnte kein Bild machen. Ihr seid so toll, stotterte ich heiser hinter den beiden her. Eva und Adele lächelten mir noch einmal zu, bevor sie im Hofeingang verschwanden.
Noch Minuten später diente mein Rad mir als Stütze. Als ich mich einigermaßen gefangen hatte, kam Anja. Wir starteten in einer stockdunklen Tunnelganginstallation mit Ziel, ohne das sie noch besser gewesen wäre. Eine Dame vor uns kollabierte fast darin und sicherlich ist es prägend für den Kunstbenutzer, wenn man so eine bleibende Kunsterinnerung mit nach Hause nehmen kann.
 

Kurz darauf trafen wir den Wolf, der uns, immer noch sichtlich gerührt, auf Gilbert & George hinwies, die in der Galerie Arndt saßen und ihren Katalog signierten, bevor er verkauft wurde.



 




In den Kunstsaelen wurde die Eröffnung der Ausstellung WHAT WOULD HAPPEN IF I von Channa Horwitz gefeiert. Eine Ausstellung wie ein Flug, so leicht und weit und dann noch das Glück, dass die Künstlerin da war und uns eine sehr persönliche Einführung in ihr Werk gab, noch so eine beeindruckte Begegnung!



Samstag, 5. Februar 2011

Doch kein Trockel

Seit einer kleinen Ewigkeit hatte ich den Drucker meines Vertrauens nicht mehr gesehen, in diesem Jahr hatten wir noch nicht einmal telefoniert und gestern: endlich beide mal wieder Zeit. Wir verabredeten uns zum Kunstgucken in der Lindenstraße, da war Eröffnungsabend.
Als ich bei Zak Branicka in den Galerieraum bog, dachte ich an Rosemarie Trockel und ihre Bronzeskulptur eines betrunkenen, auf der Seite liegenden Dackels mit Hütchen, die ich vor vielen Jahren in einer Hamburger Galerie gesehen hatte.
Leider spucken mir die großen Suchmaschinen gerade kein Bild von der Dackelbronze aus, nur auf der Seite liegende Hirsche und Rehe im Angebot. So verlasse sich der, der die trockelsche Arbeit nicht kennt, auf seine Fantasie.





 


Warum ich an Frau Trockel dachte?  In der Mitte des Ausstellungraums bei Zak Branicka lag ein brauner Dackel. Ob der echt war? Oder Kunst? Festgeklebt? Das Tier blinzelte und robbte ein paar Millimeter auf dem Bauch, legte dann den Kopf wieder zwischen Pfoten. Lebte also. Doch kein Trockel. 






Dieses Bild von Herrn Schröder, in dem er selbst zu Kunst wird, knipste ich in der Galerie Konrad Fischer vor den Werken von Marie José Burki.








Danach liefen wir noch weiter durch allerhand Galerien und Kunst. Bevor wir zur Kochstraße/Dutschkestraße hinüber gingen, schnell noch ein Schnappschuss vom wohlbehüteten Drucker. 
Es regnete und wir rauchten in einem Hauseingang. Neben uns ein Schildchen der GSW, das uns mitteilte, es sei Unbefugten verboten, sich hier aufzuhalten. Waren wir befugt?




„subjektiv fenster“ heißt die Gruppenausstellung, die in der MKgalerie noch bis zum 26. 2. 2011 zu sehen ist. Eine meiner Lieblingsaustellungen 2008 lief in der Mkgalerie: William Engelen mit dem Titel „Verstrijken für Ensemble no2.“. Mindestens viermal war ich damals dort. Hingucker des gestrigen Abends in der MKgalerie waren u.a. die Stickbilder auf Putzlappen von Wynolt Visser.

 

Als ich nach Hause ging, wurden Vorbereitungen für den heutigen Auftrieb zur Verleihung der Goldenen Kamera getroffen. Roter Teppich war schon da. Es regnete immer noch.

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