Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Donnerstag, 9. August 2012

Routenplaner – rund ums Sommerloch

Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung der Fotografin Diane Arbus im Gropius Bau in der  man abschließend einen chronologischen Einblick in die Tagebuchaufzeichnungen der Künstlerin erhält.
Die Berlinische Galerie präsentiert verschiedenes, mein Favorit wird in der Abteilung  manifesto collage gezeigt und ist eine Bildserie mit Knete über Haaren. Die Künstlerin Ellen Gallagher hat sie gefertigt.
Die klinische Megaästhetik des Alfredo Jaar wird an gleich drei Berliner Kunstorten (NGBK, Berlinische Galerie, Altes Museum) präsentiert. In der NGBK war ich noch angenehm überrascht –
alles so schön clean und übersichtlich hier. In der Berlinischen Galerie sah das für mich dann ganz anders aus. Die aufgedonnerten, aufgebauschten, ästhetischen Arbeiten sollen auf Mißstände poltischer und sozialer Art hinweisen und eben diese Ästhetisierung der Mißstände anprangern. Mir gefällt das nicht. Der Künstler ist sich selbst auf den Leim gegangen und suhlt sich in Materialschlachten. Thema verloren. Der Rest ist Schweigen.

Einer der schönsten Gärten Berlins liegt hinter dem Haus am Waldsee. Drei Jungen spielten dort Minigolf auf den Trümmerbahnen der Künstlerin Ina Weber, eine Dame probierte die Bänke aus, die der Künstler Jeppe Hein für die aktuelle Ausstellung Wie kommt das Neue in die Welt gefertigt hat.

Blick auf die Installationen von Berta Fischer und Alicia Kwade (rechts), Selbstfoto in Luca Trevisanis Videoinstallation in der sich alles um das Ei dreht (Mitte).
Jeweils zur vollen Stunde scheppern im Obergeschoss die Fensterläden (eine Installation von Michael Sailsdorfer) zur Hofeinfahrt drei Miunten lang. Ich hatte schon einiges über diese Installation gelesen und mir ein bisschen mehr Gruselei anstelle des Gleichklangs vorgestellt. Aber so ist das eben, Fantasie und Realität haben oft nix miteinander zu tun, vor einigen Tagen behauptete Herr F., Sammler wredescher Kunst, sogar, Fantasie sei bloß eine Form von Demenz. Das fand ich gruselig.

Auf dem Weg zurück hatte ich dann vor dem Eingang des Zoos eine typische Berliner Begegnung. Rollerte mit dem Rad vorsichtig und langsam auf dem fast menschenleeren Bürgersteig ganz am Rand lang. Herr und Yorkshire-Terrier kamen mir entgegen. Dieser Platz war mit vier Metern breit genug für alle. Der Herr ließ die Schnappleine ausfahren und scheuchte den Hund zum Baum. Die Leine spannte sich vor meinem Vorderrad. Der Mann keifte, dies sei kein Radweg. Hatte er recht. Ich fuhr ja auch nicht. Die Sperre blieb. Ich wartete. Und wurde sauer. Normalerweise denke ich in solchen Situationen: dumme Nuss, sage weiter (meistens) nix, bloß ruhig bleiben und keine Energie verschwenden. Der Mann sagte etwas zu mir, ich verstands nicht richtig, war mir aber gewiss, dass es etwas unflätiges war. Du alter Nazi, gleich überfahre ich deine Dreckstöle, sagte ich und rollerte weiter. Abends erzählte ich A. und H. davon. A. meinte, meine Reaktion sei ein wenig übertrieben gewesen und H. nickte. Und ich bekam das, was ich lange vermisst hatte: einen Lachanfall. Herr und Hund sei Dank.

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