Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Sonntag, 10. Januar 2016

Bald ist Sommer. Aus der Serie: morgens.

Knapp über dem Bordstein leuchtete etwas im Winterstraßendreck.
Die Bulldogge trug einen roten Pulli. Der Hund war alt, bewegte sich schleppend, Hinterteil auf Grund. Ob er eine schlimme Krankheit an den Beinen hatte? Erst vor ein paar Tagen hatte ich einen Jack Russell Terrier gesehen, dem zur Laufunterstützung per Gurt ein Brettchen mit zwei Rädern um den Leib geschnallt worden war. Trotz dieser Behinderung machte er einen munteren Eindruck, flitzte den Gehweg entlang.

Die Bulldogge kackte. Doch nicht krank an den Beinen. Köttel plumpsten in den Schneematsch. Ein Mann, der einen kleinen Jungen dabei hatte, drehte sich zu dem Hund um, zog ein Papiertaschentuch aus der Tasche.


Als der Mann sich bückte, um die Hinterlassenschaft des Tieres aufzusammeln, sagte der Junge: Bald habe ich Geburtstag.
Der Mann umschloss das Taschentuch mit seinen Händen.
Wann hast Du den Geburtstag?
Bald, sagte der Junge.
Ganz sicher?
Ja, am 6. Juli.
Ganz sicher?
Ach nee, sagte der Junge, am 5. Juli.
Der Hund ließ noch etwas kirschkerngroßes in den Matsch fallen.

Alle weiter.

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