Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Freitag, 12. Oktober 2012

Aus der Folge Vintage: der Flaschenputzer

Der mit dem Flaschenputzer dreht.
Aus meiner Wohnstraße ist eine Fressmeile geworden. Überall Leute, die sich irgendetwas reinstopfen oder -schütten. Vor einer Eckbäckerei saß ein Mann auf einem der Klappstühle, die an der Mauer des Geschäfts befestigt waren. Er trug eine Lederjacke und las. Als ich mich ihm näherte, blickte ich auf seinen blanken Schädel, in dem ein Metallschaschlikspieß steckte. Der Spieß ragte 30 Zentimeter über den Hinterkopf hinaus. Ein Großstadtindianer? Seltsame Methode, um aufzufallen, wollte ich gerade denken und guckte im Vorübergehen auf seinen Kopf. Der Schaschlikspieß war gar keiner. Der Mann hatte sein spärliches Resthaar um das Bürstenteil eines straßenköterfarbenen, verpekten Flaschenputzers gewickelt. Für einen Lockenwickler war eindeutig zu wenig Haar da, vielleicht hatte er auch gerade nur einen alten Flaschenputzer parat und nahm den, bevor das letzte Haar auch noch weg war. Eine Art hommage an das Verschwinden? Oder daran, dass echte Indianer keinen Schmerz kennen? Oder so?

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