Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Montag, 16. April 2012

Einkaufen. Aus der Serie: morgens.

Vor der Kasse der Drogerie hatte einer den Inhalt eines Glases Tomatenmark oder so verschmaddert. Splitter in Soße. Eine Verkäuferin, die in der letzten Woche den Azubi, der nichts wußte und lethargisch zwischen den Regalen hockte, betreute und die deswegen von einer Kundin zurechtgewiesen wurde, von wegen: kein Wunder, wenn der hier so abhängt, sie müsse dem Jungen Aufgaben geben und zeigen, wie die zu lösen sind – schob den Pamps mit einem Papiertaschentuch zusammen, hob es hoch und stand da so für einen Augenblick oder so einfach so da. Ein kleines Kind im gerade lauffähigen Alter beobachtete sie, sagte dann zu seiner Mutter: Schau mal, Kacka.



Blöde Kindergartensprache, dachte ich allergisch: schau mal, magst du das oder das tun oder lassen. Charite Yasemina Ute magst Du bitte die Ente nicht mit Steinen bewerfen, schau mal, du kriegst ja ganz schmutzige Hände und Frederik Erich Kevin magst du nicht mal von dem Autodach herunter kommen, das Auto gehört uns doch gar nicht, schau mal, das mit den Dellen im Dach, das ist nicht so schön.




Die Verkäuferin sagte zu dem Kind, wenn das Scheiße wäre, würde sie kotzen.
Ich zahlte. Kottbusser Damm. Vor mir ein niesender Mann und auf dem Gehweg Kotze und Kinderpflaster. Ein türkischer Junge an der Hand seiner Mutter ließ seine Strickjacke durch den Dreck schleifen. Die Mutter schimpfte. Männer spuckten die Schalen gerösteter Sonnenblumenkerne aus. Döner mit Getränk kostete 2,50 €. Nur zum Mitnehmen.
Bäckerei. Schlange an der Kasse, links neben dem Eingang draußen am Tisch frühstückte eine Familie, deren Vierjähriger noch eine Rosinenschnecke wollte. Er drängelte sich zwischen den Beinen der Erwachsenen durch bis nach vorn. Eine Rosinenschnecke, sagte er, Kopf nach oben. Die Kundin, die gerade bedient wurde, wollte mit einem Teller auf dem Kuchenstücke lagen, nach draußen. Der Kleine griff nach dem obersten Stück. Sie begriff nicht, dass er dachte, sie würde ihm sein bestelltes Stück Kuchen bringen. Was willste, fragte sie ihn. Rosinenschnecke, sagte er. Nicht von mir, sagte sie und hielt den Teller hoch. Der Junge stellte sich wieder vorn an die Kasse und verlangte eine Rosinenschnecke. Hast du Geld, fragte die Verkäuferin. Eine Rosinenschnecke kostet einen Euro. Nein, kein Geld. Ob seine Eltern da seien, wollte sie wissen. Nein, sagte er. Doch, mischte ich mich ein und sagte, dass die Eltern des Jungen draußen sitzen würden. Die Verkäuferin legte eine Rosinenschnecke auf Pappe. Der Junge zeigte auf ein Hörnchen. Das auch noch. Die Verkäuferin legte es zur Rosinenschnecke und gab ihm beide Stücke. Hörnchen für Papa, strahlte er mich an und ging nach draußen an den Tisch. Lautes Gekeife. Du darfst nie wieder einkaufen gehen, ich hatte dir erlaubt, ein Stück Kuchen zu kaufen. Keine zwei, meckerte der Vater.

Nachsatz, der zwar nicht so ganz zum Thema passt, aber irgendwie doch und folgendes muss unbedingt mitgeteilt werden, denn selten habe ich etwas so Cooles, wie diese rammsteincovernde Kinderband, bestehend aus Stefan (10) – vocal, guitar, violin, Olga (8) – keyboard, Cornelia (5) – drum, harp gesehen. Da kullerten Tränen der Rührung bei mir...

In diesem Sinne: Viel Platz für Rührung und einen guten Start in die Woche.

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