Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Schnell, schmutzig und anderes

Viel Kunst gab es in der letzten Zeit anzugucken, soviel, dass ich nicht dazu kam, die eine oder andere Ausstellung zu posten, bevor sie schon wieder rum war und nun hurtig eine ganz kleine Auswahl von meinem Kunstmarathon, den ich zum großen Teil mit meiner Künstlerkollegin Anett absolvierte, die eigens dafür aus dem Künstlerhaus Dortmund nach Berlin gereist war.
Heute ist z.B. der letzte Öffnungstag von „Zur Nachahmung empfohlen“ in den Uferhallen im Wedding, der des Art Forums in den Messehallen und der vom Preview im Tempelhofer Flughafen, im Künstlerhaus Bethanien noch zu betreten die Installation „das Amt“ von Cedric Bomford und zu betrachten die zeichnerischen Momentaufnahmen der norwegischen Künstlerin Ane Mette Hol.

Die Ausstellungen bei Sprüth Magers laufen noch bis zum 23.10.2010. Unbedingt sehenswert dort die Luftaufnahmen von Parkplätzen, die Ed Ruscha gemacht hat. Auf den ersten Blick erscheinen seine Fotografien wie geheime Zeichen von Außerirdischen. Ebenda auch die Mehrkanal-Videoinstallation the globe shrinks, 2010, von Barbara Kruger.

Und heute ist der letzte Tag von Schnell und Schmutzig in der Kreuzberger Markthalle. Natürlich wollte ich wissen, ob die Ausstellung das hält, was der schöne Titel, auf den ich ganz neidisch bin, verspricht.
Kurz nachdem wir die Markthalle betreten hatten, stürmte zielgenau ein zirka achtjähriger arabischer Junge auf mich zu und fragte: Haben Sie schon die Kunst gesehen? Er zeigte auf eine Installation, die in geschnittenen grau-braunen Plastikstreifen von der Hallendecke auf den Boden herunter baumelte und die einer Riesenbeam-Maschine, durch die man nach was-weiß-ich-wohin transformiert wird, ähnelte.

Nein, habe ich noch nicht, sagte ich. Da wird man drin erschreckt, sagte er. Jetzt hast Du mir schon alles verraten, sagte ich enttäuscht und sein, neeein, da wird man gar nicht erschreckt, kam wie aus der Pistole geschossen. Der Junge zog mich am Ärmel zur Kunst. Und hinein. Und plötzlich wußte ich nicht mehr, wie und was mir geschah, ich stand im dunklen Plastik, viele Kinderhände betatschten mich von allen Seiten, schrille Stimmchen schrien buhh, fast wäre ich umgefallen – ich bekam einen Lachanfall. Ein Kind bugsierte mich aus der Skulptur von Philip Hausmeier hinaus, die durch die integrative Kinderperformance dem Titel der Ausstellung alle Ehre machte. Toll, dachte ich. Kaum wieder auf neutralem Boden, kam ein Youngster (tatsächlich ohne Hut) und beschimpfte mich, dass ich das Kunstwerk kaputtmachen würde. Häh? Was wollte der von mir? Dann kam noch ein weiblicher Youngster und keifte ebenfalls rum. Was war da los? Eine Beschimpfungsskulptur? Bitte mal vorsichtig mit den Vorwürfen, sagte ich zunächst ruhig und wiederholte es, schon giftiger. Plötzlich voll das Gekeife im Gange. Man gab mir Schuld an der Zerstörung, soviel begriff ich irgendwann und der weibliche Youngster hielt mir vorwurfsvoll einen abgefallenen Plastikstreifen vor die Nase. Wenn die Kinderaktion nicht zum Werk gehört, dann seien die beiden ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen, sagte ich noch, wendete mich ab und ging weiter gucken, um zu suchen, was hier denn wirklich schnell und schmutzig sein könnte und auch so gemeint war, fand aber zunächst nichts. Bis ich um die Ecke bog und vor einem Fenster stand. In dem hingen in durchsichtigen, beschrifteten Plastikbeuteln schmutzige Lappen. Die Künstlerin An Seebach hatte die Beutel mit den Stellen (und der Zeit) beschriftet, für die sie die innenliegenden Lappen zum Säubern des alten, ehemaligen Marktstandes benutzt hatte. Nun war An Seebach gerade dabei, mit Hammer und Meißel die Farbe von einzelnen Steinen der Wand abzuschlagen, bis der Stein, so wie er einmal gewesen ist, zu sehen war. Die Restfarbe fing sie mit einem Kehrblech auf. Langsam und sauber, grinste sie.

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