Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Samstag, 15. Dezember 2012

Advent. Scheisse mal drei.

Über Menschen, die ihren Wohnraum wegen extrem steigender Miete verlassen müssen, wird in vielen Medien berichtet. Ich lebe seit 1995 in Berlin und seit 1997 in einem Berliner Kiez, der sich schnell wie vorher kaum ein anderer in eine Flanier- und Fressmeile verwandelt hat.
Dass auch viele Künstler ihre Werkstätten aufgrund unbezahlbarer Mieterhöhungen räumen müssen, ist zwar bekannt, aber kaum Thema. Naja, die sind ja auch höchstens Kleinunternehmer, nicht mal mehrwertsteuerpflichtig sind die, was leisten die schon. Nur Randgruppe. Ist ja was anderes, als wenn ein „richtiger“ Betrieb seine Segel streichen müsste. Außerdem sind die Mitschuld an den steigenden Mieten, haben doch selber die Grundlage dafür geschaffen, und nun, wo alles vermietet und schön gemacht ist und Nachfrage besteht, können die auch wieder verschwinden.

Am Arsch die Räuber, nichts ist mir und meinen Kollegen ferner, als irgendeinen Szenescheiß zu kreieren. Und dann: Tschüss.

In der letzten Zeit lernte ich immer mehr Kolleginnen und Kollegen kennen, die ihren Schaffensraum verloren haben oder aufgeben müssen.
Vor einigen Wochen erhielt ich ebenfalls die Kündigung meines Ateliers.
In dem Schreiben stand auch, dass der Vermieter mich als Mieterin gerne behalten würde und dass er nach der Rückkehr von seiner Reise gerne mit mir darüber sprechen möchte.

Um wie viel die Miete raufgehen sollte, stand in der Kündigung nicht. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich den Vermieter zum wiederholten Male gefragt, wie sicher der jetzige Preis des Ateliers war. Er hatte mir auf die Schulter geklopft und gesagt, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Ich war erleichtert und skeptisch zugleich. Weil der Vermieter erst einmal einige Zeit auf Reisen war, nachdem er die Kündigung schickte, hatte ich Zeit, mir verschiedene Szenarien auszumalen. Und wie ich damit umgehen könnte. Zunächst fiel ich allerdings in eine Schockstarre.
Dann begann ich, nach Lösungen zu suchen.

Bei 30% Mieterhöhung könnte ich einen Teil des Ateliers als Lager an eine Freundin, die gerade danach auf der Suche ist, vermieten.

Bei 50% Mieterhöhung? Durch Zufall lernte ich einen Kunstmäzen kennen, der mir  anbot, regelmäßig monatliche Beträge zu überweisen, um jeweils zum Jahresende eine größere Arbeit von mir zu erwerben. Außerdem wurde mir just ein Job als Kursleiterin in einer Kunstschule angeboten.

Und was bei Verdoppelung der Miete? Da würden Mäzen, Job und Lagervermietung nicht reichen und spätestens bei dieser Variante wackelte der Boden unter mir. Ich muss gehen.

Vor einigen Tagen erreichte ich meinen Vermieter am Telefon. Zeit hatte er keine und wollte nicht gerne mit mir sprechen. Toll. Fast 10 Jahre war ich nun schon Mieterin und nie in Zahlungsrückstand gewesen. Deshalb blieb ich am Ball.
Er wollte meine Vorstellungen wissen. Ich fragte ihn nach den seinen. Er nannte mir die ab bald geltende Kaltmiete pro Quadratmeter. Ich gab die Zahlen in meinen Taschenrechner, der mir das Dreifache meiner momentanen Miete ausspuckte.
Unter diesem Aspekt war und ist jede Verhandlung für mich zwecklos. T. sagte abends zu mir, diese Erhöhung sei sicher Unrecht.
Ich habe keine Lust, meine Energie in ein gerichtliches Verfahren zu stecken. Die brauche ich für etwas Neues. Und meinen Humor möchte ich natürlich auch gerne behalten. Sonst bin ich aufgeschmissen. Übrigens auch ohne Atelier. Ohne das kann ich meinen Beruf nicht mehr ausüben.

Deswegen bin ich dringend auf der Suche nach einem neuen Atelier.
In Treptow, Neukölln, Tempelhof, Kreuzberg:
Ca. 55 - 60 qm, der Raum/die Räume müssen nicht lichtdurchflutet sein, sollten aber Werkstattcharakter haben. Möglich wäre auch ein Ladengeschäft oder Werkstatt im Erdgeschoss oder letztem Hinterhof. Wer etwas weiß, im Angebot hat, Leute kennt, die etwas wissen oder vermitteln könnten oder mehr Infos haben möchte, melde sich unter b.wrede@olompia.de .

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