Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Dienstag, 11. September 2012

would prefer not to

Absagen begleiten in langjähriger beruflicher Laufbahn den Weg. In manchen Phasen kann man ihn sogar damit zupflastern und einen umgedrehten walk of fame darauf zurücklegen. Wie lange das durchzuhalten ist? Ein Professor sagte einmal zu mir – damals hatte ich einen der Hochschulpreise, die während des Hochschulrundgangs an den Nachwuchs vergeben wurden, wegen Mauschelei abgelehnt – als Künstler solle man alles nehmen, was von Außen kommt. Ich war anderer Meinung und sicher, dass der Preis nichts mit meiner Arbeit zu tun hatte, sondern nur damit, dass der Prof in der Jury saß. Das reichte mir nicht. Und blieb beim Nein. Viele Jahre später frage ich mich nun, wo mein Nein eigentlich geblieben ist. Abgeschliffen? Ob das vom Durchhalten kommt? Falsche Methode?

Institutionen wie Museen o.ä. sind für Künstler ein Forum, um ihre Arbeit zu präsentieren. Wenn es gut läuft, fungieren diese Institutionen als Multiplikatoren. Ob für Künstler auch ein wirtschaftlicher Erfolg daraus erwächst oder nur Ruhm und Ehre, steht auf einem anderen Blatt, das hier an dieser Stelle nicht beschrieben wird.

Gerade erinnere ich mich an die Einladung zur Besetzung einer Professur an Rosemarie Trockel. Damals war ich als studentische Vertretung in das Verfahren um die Neubesetzung der Stelle involviert. Rosemarie Trockel liess durch ihre Galerie ausrichten, dass sie kein Interesse hat und ich dachte: Wie cool ist das denn!

Was passieren kann, wenn Künstler sich verweigern, ist auf der diesjährigen documenta zu sehen. Der Künstler Kai Althoff hat der Leiterin CCB eine Absage erteilt. Diese Absage wird von CCB wie ein Sakrileg in einer Vitrine im Fridericianum präsentiert. Könnte ein neuer Trend werden. Ist für beide Seiten auch nicht so teuer, nur ein bisschen Papier und ein Glaskasten, vielleicht noch ein Huldigungskerzlein beseit gestellt, das von Aufbauleuten nach Abbrennen ausgetauscht werden muss. Auch Thomas Kapielsky hat die documenta- Teilnahme mal abgesagt, ist hier nachzulesen und mir kommt Mevilles Bartleby in den Sinn.

Arbeiten der Künstlerin Elke Krystufek sollten eigentlich ab letzter Woche Freitag im Berliner Haus am Waldsee gezeigt werden. Alles war vorbereitet, Organisation lief auf Hochtouren, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Einladungen verschickt.
Das Haus ist leer, einige Besucher haben die Wände mit Botschaften an die Künstlerin, so ist es auf der website der Institution zu sehen, vollgekritzelt. Das war weder „Auftrag“ der Künstlerin und noch gehörte es zu ihrem Konzept, in dem es um Landschaft gehen sollte.
Elke Krytufek hat nichts abgeliefert. Nicht einmal eine Absage. Auf der Facebook Seite des Veranstalters ist in einem Kommentar die Frage zu lesen: »Gabs Ärger?«
Keine Antwort.

Die Künstlerin hat den Spieß umgedreht. Der Institution ist das passiert, was Künstlern tag-täglich widerfährt: Es werden Hoffnungen geschürt, Absprachen nicht eingehalten, Rückmeldungen gibts nicht und oft nicht einmal eine Absage.
So umgedreht wird der Spieß zu einem künstlerischen Statement, ansonsten ist er künstlerischer Alltag. Und pieken tut er immer.

Kommentare:

UWL hat gesagt…

Ja, es ist schon typisch für das Betriebssystem Kunst, dass die Absagen einer Künstlerin oder eines Künstlers von der Öffentlichkeit mit großem Unverständnis und Hallo wahrgenommen und entsprechend abfällig kommentiert werden, übrigens auch aus der Künstlerschaft!. Bittsteller sind sie aber mitnichten. Diese Rolle wird Ihnen nur angetragen, kann also abgelehnt werden. Ich habe natürlich keine Ahnung von den Gründen Elke Krystufeks, aber Zigarettenholen ist einfach ein toller Gedanke, den nur wenige in die Tat umsetzen. Gut oder schlecht ist dabei nicht die Frage, denn solange Künstlerinnen und Künstlern Ausstellungen zur Ehre angetragen und sie nicht für diese Arbeit bezahlt werden, wie jeder andere im Staate für Dienstleistungen und Arbeitskraft, und entsprechend Verträge mit Ausstellungshonoraren abgeschlossen werden, kann Man oder Frau diese Ehrung selbstverständlich ablehnen. Aufmerksamkeit ist dann aber nur zu erwarten, wenn es überraschend kommt. Also Dank an die, die es wagen, warum auch immer.

olompia • Barbara Wrede hat gesagt…

...ja, Zigarettenholen fände ich auch großartig. Und tatsächlich weiß auch ich nichts Genaues über die Gründe der nicht zustande gekommenen Ausstellung. Mir gefällt der Gedanke, es handelt sich um eine Verweigerung, die von seiten der Künstlern genauso beiläufig gehandhabt wird, wie die von Institutionen, die Versprechungen machen, und sie, kaum sind sie ausgesprochen, schon wieder vergessen haben. Oder sie versprachen, um ihre Ruhe zu haben. Dem Dank an alle KollegInnen, die sich gegen die schlechte Honorierung von künstlerischer Arbeit auflehnen, schließe ich mich an. Schließlich füllt Ehre keinen Kühlschrank oder zahlt gar die Ateliermiete. Das was Elke Krystufek inszeniert (oder auch nicht?) hat, ist allerdngs m.E. nicht wiederholbar. Sie hat damit, bewußt oder unbewußt, ein Exemple geschaffen. Chapeau!

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