Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Montag, 16. Januar 2012

Vernissage „Ich & die Wirklichkeit“ am 14.1.2012 in der Kunsthalle Willingshausen

Michael Göbel und Anett Frontzek werden vom Hessischen Rundfunk für die Hessenschau interviewt, beides in unmittelbarer Nähe bzw. vor Arbeiten von Michael und Anett.
Kurz vor der Eröffnung unserer Ausstellung standen bzw. saßen Michael Göbel und Anett Frontzek dem Hessischen Rundfunk/HR Rede und Antwort zu den künstlerischen Arbeiten und unserem Ausstellungskonzept (einen Ausschnitt wird es heute Abend gegen 19.30 Uhr auf HR3 in der „Hessenschau“ geben). Die ersten Besucher waren bereits da. Bald war der der große Ausstellungsaal der Kunsthalle in Willingshausen voll.

Anett begrüßte die Gäste, erzählte, wie es zu dieser Ausstellung kam und stellte in ihrer Rede das Konzept und unsere vier künstlerischen Positionen vor.
Hier ein Auszug:
Michael Göbel scheint sich auf den ersten Blick in fast klassischer bildhauerischer Manier, sein Umwelt zu erschaffen... Wer vom Maßstab verführt jedoch an Modellwelten denkt, wird enttäuscht. Zu glatt die Oberfläche, zu uniform die Farbigkeit und ganz eigen der Maßstab. Ein rosa farbener Hochstand im Maßstab 1:6 dient nicht mehr der Beobachtung. Er wird beobachtet – aus der Vogelperspektive. Wird der Jäger hier zum Gejagten?
Die Skulptur „harmony in my head“ entstand 2011 unter Einbeziehung eines noch zu Schulzeiten gebauten Brückenmodells von 1991. So wie Brücken in der Realität Täler und Schluchten überspannen, überspannt die Brücke hier mentale Abgründe.
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Die thüringische Holzschneiderin Uta Zaumseil arbeitet seit Jahren ausschließlich mit dem Medium des Holzschnittes. Die Drucke sind Unikate und werden als Handabzug auf dünnem Japanpapier gedruckt. Die nächtliche Szenerie beim „Besuch auf dem Land“ lässt Lichter wie Ufos am dunklen Firmament erstrahlen. Die sich im Bild befindlichen Besucher teilen sich den Erdboden mit Viehgattern und werden an der Erkundung des Raumes gehindert.
... Mehla bei Nacht scheint nicht wirklich einladend zu sein: Kunststofftische schweben wie Frisbees durch  Luft und menschenleere Gärten.
... Wie sieht sie aus, die ländliche Idylle im thüringschen Mehla? Stehen dort wirklich Pferde allein auf dem nächtlichen Bahnsteig?... Keine Leine, kein Zaumzeug oder Sattel verweist auf einen Reiter. War er nie da? Ist er verschwunden?
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Barbara Wrede stellte sich die Frage des Verschwindens etwa zwei Jahre lang. Sensibilisiert für den Vorgang des Verschwindens in der Realität, kam die Beschäftigung mit dem Wort an sich.
Die Medienbilder der Serie „Über das Verschwinden – im Vorübergehen“ stammen aus Tageszeitungen. Ihnen wird jeweils ein mit der Schreibmaschine getippter Text zur Seite gestellt. So erfahren wir z.B., dass jedes Jahr 40.000 Kinder in Deutschland verschwinden. Nur gut, dass wir auf dem Foto sehen, wie der Papst sich um eines dieser Kinder kümmert.
Zeitungsbilder zeigen die Realität. Oder?
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Höchst real, ja sogar amtlich ist das Material, das Anett Frontzek für ihre Papierschnitte und Collagen verwendet. Die topographischen Karten der Schweizer Landestopographie gehören zu den besten der Welt. Durch den präzisen Einsatz des Skapells wirken selbst die Skirouten der Arbeit „imaginäre Vorschläge, auf weiß zu wandeln“, wie ein real vorhandenes Wegenetz, das dazu verleitet, eine Skitour durch die Schweiz zu planen. In den Collagen der „faked mountains“ formen Berge – aus der Vogelperspektive in die Senkrechte gekippt – Panoramen und Landschaften. Sie stehen damit in der Tradition der schweizerischen Alpenpanoramen. Bei genauer Betrachtung entpuppt sich jedoch alles nur als geklebte und gestückelte Konstruktion von Wirklichkeit.
...“ 
Auszug aus der Eröffnungsrede von Anett Frontzek am 14.1.2012 zu der Ausstellung „Ich & die Wirklichkeit“ in der Kunsthalle Willingshausen.
Eröffnungsrede von Anett Frontzek, Lesung von mir, Bürgermeister Vesper überreicht Hochprozentiges an Uta Zaumseil, Anett Frontzek, mich und Michael Göbel. Im Hintergrund der Holzschnitt „Besuch auf dem Land“ von Uta Zaumseil.
Danach las ich meine Erzählung „Jackson Pollock und die Klopse“ und schließlich überreichte Herr Bürgermeister Heinrich Vesper Uta Zaumseil, Anett Frontzek und mir Rotkäppchen Schnaps und Michael Göbel bekam ein Fläschchen Hännes, das hochprozentigeren Alkohol als das mit dem Rotkäppchen enthielt.
Bis zum 4. März 2012 sind unsere Arbeiten in der Kunsthalle Willingshausen zu sehen.
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr
Dienstag bis Freitag von 14 - 17 Uhr und nach Vereinbarung
Kunsthalle im Gerhard-von-Reutern Haus in Willingshausen
Merzhäuser Straße 1, 34628 Willingshausen, Telefon:  0 66 97-14 18

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