Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Dienstag, 30. November 2010

Maulende, jaulende Sonnenallee

Seit 2009 gibt es die Veranstaltung singende, klingende Sonnenallee, die immer Ende September stattfand, nicht mehr. Still und ohne große öffentliche Aufruhr wurde sie abgeschafft, aber naja, war wirklich nicht so toll, wie der Name versprach, bis auf einen frischgetrimmten Königspudel, den ich 2001 dort fotografierte und an den Kauf zweier Gürtel, einen für meinen Vater, den anderen für mich, das war vor vielen Jahren, erinnere ich mich an nichts, über das ich schreiben könnte.  
Erst im September diesen Jahres fiel mir auf, dass die singende klingende Sonnenallee verschwunden ist. Es war als sich folgende Begebenheit ereignete:
Die Ampel sprang auf rot und der ältere Herr prügelte mitten auf der Straße wie ein Berserker mit seinem Gehstock auf seinen Hund ein. Ich zog meine Schultern ans Kinn. Der Mann trat den Hund jetzt. Der Hund jaulte. Stop auf der Mittelinsel. Der Hund wimmerte, der Mann schrie. Zwei türkische Mädchen sahen die Szene auch, eine sagte: Sie dürfen ihren Hund nicht schlagen. Der Mann, der sich inzwischen zu dem Hund hinunter gebeugt hatte, um ihm das Halsband wieder umzulegen – der Hund hatte sich losgerissen, das sah ich erst jetzt – sagte zu dem Mädchen: Halt die Fresse. 
Die Mädchen sahen sich an... sie kicherten verlegen. Eine Fahrradfahrerin, die mit uns wartete, krampfte ihre Hände um den Lenker. Ich fasste Mut und sagte: Sie dürfen ihren Hund nicht schlagen, denn, wenn er Angst vor Ihnen hat, wird er sich immer wieder losreissen. Halt die Fresse, sagte er. Naja, was musste ich auch so rumklugscheissern, der arme Mann, sicher war der Hund das Einzige, was ihm geblieben ist, und er hat aus Panik über seinen möglichen Verlust so reagiert.
Er zitterte, als er dem Tier das Halsband wieder umlegte. Das Tier auch. Er tat mir leid. Der Hund auch. Was für ein trauriger Anblick. Mir kamen die Tränen und ich fragte, ob der Hund sein ein und alles sei. Halt die Fresse, sagte er und haute noch einmal auf den Hund.

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