Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Unterirdisch

Die Polizei riegelte den Bereich neben Video World und italienischem Restaurant in der Lenaustraße großräumig ab. Großeinsätze und Sirenengeheul gehören in Neukölln zum Alltag und normalerweise schenkt ihnen niemand Beachtung, heute aber bildete sich vor der Absperrung eine Menschentraube.
Der Boden kommt hoch, schrie ein Passant, als ich gerade fragen wollte, was da los sei.
Unsichtbare Kräfte hoben Pflastersteine zu einem Riesenmaulwurfshügel. 
Sicher knallts bald, alles fliegt in die Luft, eine Bombe, Teufel in der Kuhle oder ein durch den Klimawandel mutierter Maulwurf ist am Werk, der uns Gaffende mit seinen Riesenschaufeln erschlagen wird, todsicher. Ich flüchtete. Vor Edeka stand die Belegschaft und rauchte. Das Geschäft war dunkel, die Tür zu. Na, ja, solange die noch rauchen, ist es nicht ganz so schlimm, versuchte ich mich zu beruhigen, beschleunigte meinen Schritt und ging an weiteren dunklen Geschäften vorbei. Endzeit? Oder Werk einer Verschwörung?  Zwei Tage lang mied ich den Kottbusser Damm. Vielleicht doch mal gucken? Im Bürgersteig klaffte ein Loch, Rohre und Drähte waren zu sehen, Zaun aus Holz drumrum, ein Kellner rauchend vor der Tür des Restaurants. Er erzählte mir in gebrochenem Deutsch etwas von einem explodierten Elektrorohr. Gibt es Elektrorohre? Können die explodieren? 
C. vermutete ja, dass das Pflaster hochkam, weil ein Pizzabäcker im Keller von einem aufquellenden Megahefeteig zerquetscht wurde. Wegen der Hitze, momentan ist ja nichts mehr kontrollierbar, schlaumeierte er noch. 
Zum Glück hat sich hier kein Tierhulk ausgebuddelt, sagte ich erleichtert. Der Kellner nickte.

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